Hauptinhalt

Gesundheitliche Wirkung von Radon

Atmet man Radon und seine radioaktiven Folgeprodukte über einen längeren Zeitraum in erhöhtem Maße ein, steigt das Lungenkrebsrisiko.

Radon als Gesundheitsrisiko

Abhängigkeit des absoluten Lungenkrebsrisikos (Anteil der Personen, die an Lungenkrebs erkranken) von der Radonkonzentration für eine Lebenszeit von 75 Jahren für Raucher und Nichtraucher © Darby et al. Radon in homes and risk of lung cancer: collaborative analysis of individual data from 13 European case-controlstudies. BMJ. 2005;330(7485):223-8.

Etwa die Hälfte der Strahlenbelastung der Bevölkerung aus natürlichen Quellen geht auf das Einatmen von Radon und seinen Folgeprodukten zurück. Das Radon selbst wird zum größten Teil wieder ausgeatmet und verbleibt nicht im Körper. Schädliche Wirkungen haben vor allem seine Folgeprodukte, welche in der Luft als freie Teilchen oder an Staubteilchen gebunden sind. Diese lagern sich nach dem Einatmen in der Lunge ab. Dort zerfallen sie weiter unter Aussendung von Strahlung.

Vor allem die Teilchen der Alphastrahlung durchdringen zwar nur die obersten Zellschichten des Lungengewebes, geben jedoch auf diesem kurzen Weg ihre gesamte Energie an diese Zellen ab. Verschiedene physikalische, chemische und biologische Effekte werden dadurch hervorgerufen.

Der Mensch verfügt über eine Vielzahl von Reparaturmechanismen, die schädliche Veränderungen in den Zellen beheben. Nur wenn dieses Abwehr- oder Reparatursystem versagt oder überfordert wird, kommt es zu Veränderungen, die Lungenkrebs verursachen können. Die Entwicklung einer Lungenkrebserkrankung kann sich über Jahre oder Jahrzehnte erstrecken.

Lungenkrebsrisiko durch Radon

Die Auswertung verschiedener epidemiologischer Studien zeigt, dass das Lungenkrebsrisiko linear mit steigender Radonkonzentration ansteigt. Eine Schwelle, unterhalb derer die Radonkonzentration keine schädliche Wirkung hervorruft, wurde bisher nicht nachgewiesen. In der Regel wird zur Risikobewertung das zusätzliche relative Risiko angegeben. Dieses zusätzliche relative Lungenkrebsrisiko durch Radon beträgt etwa 10 % pro 100 Bq/m³ Radonkonzentration.

Rauchen und Radon

Während über 90 % aller Lungenkrebsfälle durch das Rauchen verursacht werden, sind etwa 5 % auf Radon zurückzuführen. Da sich die Risiken durch Rauchen und Radon multiplizieren, treten unten den statistisch dem Radon zugeordneten Lungenkrebsfällen wiederum mehr als 90 % bei Rauchern auf. Bei gleicher Radonbelastung ist das Lungenkrebsrisiko für einen Raucher etwa 25-mal höher als für einen Nichtraucher.

Radon als Heilmittel

Bad in einer abgeschlossenen Radonbadewanne. © Kurgesellschaft Schlema mbH

Radon wird unter ärztlicher Aufsicht zur therapeutischen Behandlung verschiedener Erkrankungen angewendet. Beispielsweise bei rheumatischen Erkrankungen kann eine Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung durch eine Radontherapie erzielt werden. Radontherapien werden in Form von Bädern, Inhalationen oder Trinkkuren verabreicht.

Die Heilwirkung von Radon wurde in verschiedenen Studien untersucht, wie zum Beispiel in der in Schlema durchgeführten Doppelblindstudie von 1992 sowie in analogen Untersuchungen in Bad Steben, Bad Brambach und Bad Kreuznach. Die Studienergebnisse bestätigen die Heilwirkung von Radon, besonders seine lindernde Wirkung bei Schmerzzuständen.

Die Strahlendosen durch Radonkuren liegen im Bereich der natürlichen Strahlenexposition, so dass bei entsprechender Indikation der Nutzen einer solchen Therapie gegenüber dem erhöhten Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, überwiegt. So ist beispielsweise in vielen Fällen ein Rückgang des Medikamentenverbrauchs, der meist mit schädlichen Nebenwirkungen verbunden ist, zu verzeichnen.

In Sachsen werden Patienten in den Kurorten Bad Brambach und Bad Schlema therapeutisch mit Radon behandelt. Dort gibt es langjährige Erfahrungen mit Radon als Heilmittel.

 

zurück zum Seitenanfang